Unser Homeoffice-Homeschooling-Survival-Setup

Podcast Frau mit Laptop und Kleinkind im Homeoffice.

Ist es nicht schön mit Kindern im Homeoffice? – Ja, es ist nicht schön mit Kindern im Homeoffice.

2021 geht ja direkt schon wieder gut los. The new normal ist bislang eher the old ugly. Wir versuchen hier in der Familie das Beste daraus zu machen. Hier möchte ich einmal unsere praktischen Umsetzungen in der Hoffnung bündeln, dass die eine oder der andere sich etwas davon einpacken kann, um etwas besser durch diese stressige Zeit zu kommen.

Hört, was Philippe Wampfler sagt …

Eins vorneweg: Meine Frau und ich wissen sehr gut, dass wir privilegiert sind. Wir leben in einem Haus. Wir haben schnelles Internet. Genug Kohle, um entsprechende Technik anzuschaffen, die es für Homeschooling und Homeoffice optimalerweise so braucht. Wir wissen (am eigenen Leib), dass das auch anders sein kann. Dazu kommt, dass ich glücklicherweise 100% remote arbeiten kann, dafür bin ich meiner Arbeitgeberin echt dankbar. Meine Frau muss einmal in der Woche ins Office. Das wars.

Mir gehts in diesem Beitrag auch gar nicht so sehr darum, dass ich hier eine Technik-Schau starte, sondern mit meinen begrenzten Mitteln versuche aufzuzeigen, wie ihr euer Homeoffice aufbauen könntet. So oder so ähnlich. Vielleicht ist ja eine Idee dabei, die ihr so noch nicht hattet?!

Deep Work im Sharing Modell

Meine Frau Maren und ich, haben uns jeden Arbeitstag zwei Stunden feste Stunden in den Familienkalender (digital und synchronisiert) eingebucht, in denen jeweils eine:r ohne Kinder arbeiten kann. Betreffende Person zieht dazu gerne Noice Cancelling Kopfhörer auf, um nochmal mehr Ruhe zu haben. Es gibt zwei Schichten: 8-10 Uhr und 10-12 Uhr. Die Frühschicht kümmert sich zudem auch um das Mittagessen. Stichwort Mittagessen: Jeden Sonntag nach dem Frühstück, gibts bei uns Familienkonferenz. Dort besprechen wir die Woche und verteilen die Kochschichten und planen, an welchem Tag es was zu essen geben wird. Wozu machen wir das? Ganz einfach, wir sind spontane Menschen. Uns raubt es jedoch einfach zu viel Energie um 11:30 Uhr erst anzufangen zu überlegen, wer was kochen soll. Unser Kleinster, ist 1 1/2 Jahre alt, braucht pünktlich sein Mittagessen, denn danach steht der Mittagsschlaf an.

Die Ausgangsfrage ist also: Wo können wir Ressourcen einsparen, um durch den Tag zu kommen? Das Elternteil, dass die Spätschicht übernimmt, kümmert sich um das Homeschooling des ältesten Kindes (7 Jahre, 2. Klasse). Der Mittlere (Vorschule) schwimmt, zwischen Hörspielen, Malaktionen und Vorschul-Rätselhefte so mit – zum Glück.

Der Kalender ist unsere Richtschnur durch den Tag. Was im Kalender steht, ist Gesetz. Meine Frau und ich können dort jederzeit sehen, ob / wann der andere verfügbar sein wird. Auch für in der Zukunft liegende Termine.

Cal Newport hat mit seiner Time-Block-Methode einen ganz guten Ansatz, wie ich finde, wenn es darum geht seinen Kalender sinnvoll einzusetzen. Schaut hier gerne mal rein. Neben dem Kalender plane ich meinen Tag mit Tasks und  To Dos. Diese sind alle digital verarbeitet. Wie ihr vielleicht wisst, war ich lange analog mit einem Bullet Journal unterwegs. Gerade (im ersten Lockdown wars irgendwie genauso) sind die digitalen Lösungen bei mir klar bevorzugt. Mit Listen durch den Tag zu gehen ist so erleichternd, weil ich Gehirnkapazität auslagern kann. Ich muss mir nicht merken, was ich heute / morgen / übernächsten Dienstag erledigen möchte. Das wird mir abgenommen. Ich werde erinnert, wenn es so weit ist. Ich lebe wirklich entlang von Listen. Diese Struktur hilft mir enorm. Ich nutze dafür die Anwendung Things 3 und bin sehr zufrieden. Es gibt aber sicherlich auch andere gute Anwendungen. Die Frage ist immer, was ich von der Anwendung möchte? Welchen Job soll sie genau für mich übernehmen? Hier ist ein ganz gutes Workflow-Video bei dem Things 3 auch zum Einsatz kommt.

 

Der Schreibtisch

Wir sind zum Jahreswechsel innerhalb unseres Hauses – so etwas ähnliches, wie ein Mehrgenerationenhaus – umgezogen und sehr glücklich. Eigentlich. Ich meine, ich liebe meinen Homeoffice Platz … wären da nicht die Kinder. 😉 Dadurch, dass der Ort der Arbeit offen gehalten ist, ist er auch störanfällig. Wie gesagt, Noice Cancelling Kopfhörer helfen mir da total (ich nutze, diese hier.)

Bild vom Schreibtisch

Thats the place, where the magic happens. Ich mag es minimalistisch und aufgeräumt. Aus diesem Grund werdet ihr auf meinem Schreibtisch nichts finden, was rumliegt und keinen Zweck hat. Ich folge da ein wenig der Open Desk Philosophie – also alles weg, was stört. Das ist so ein Relikt aus meiner Coworking-Zeit, dass ich mir gerne beibehalten habe.

Was sehen wir hier? Links am Rande des Schreibtisches (ein alter Esstisch), ist der Homeschooling Platz von unserem Sohn. Er nutzt ein iPad für seine Zoom-Meetings und Moodle-Lernumgebungen. In der Mitte dann mein Arbeitsort. Ein curved Bildschirm, der nicht zu groß (aber auch nicht zu klein ist), unter dem Bildschirm-Tisch liegt mein MacBook Air 2020. Links davor, mein absoluter Daily Driver. iPad Air 2020 und Apple Pencil. Ich notiere komplett digital (ja, ich weiß das war mal anders) über GoodNotes 5.

Diese App nutze ich seit Jahren und bin super zufrieden. Das Angenehme ist, das die Notizen sowohl auf meinem MacBook, als auch auf dem iPad und auch auf meinen Smartphones landen. Super praktisch. Apple Keyboard und Maus in der Mitte. Obs an der Stelle besser geht, weiß ich nicht, ist mir auch wurscht. Ich habe mich so an die beiden Eingabegeräte gewöhnt, dass ich blind im Dunkeln alles flott finde. Da mag ich nicht wechseln.

Über dem Bildschirm hängt mein Smartphone, ein iPhone 12 Pro. Mehr dazu gleich. Rechts daneben mein Büro-Laptop mit Bluetooth-Tastatur (irgendwas Einfaches von Logitech) sowie einem einfachen Laptopständer von A***on.

Videokonferenzen

Für Videokonferenzen, Online-Vorträge, Podcasts usw. nutze ich das Røde NT-USB Mini mit einem Tischstativ von Online-Händler mit A. Eine Kontaktaufladestation fürs Smartphone steht dann auch noch in der Ecke. Die ist meist nur Nachts im Einsatz. Tagsüber habe ich keine Smartphones am Tisch. Die stehen dann hinten in dem weißen Regal. Unten rechts steht mein Meditationskissen. Trotz Kinder, Homeoffice, Homeschooling, Homekindergardening, Lockdown und dem anderen crazy shit – Meditieren hilft mir enorm durch den Tag zu kommen. Aktuell meditiere ich zweimal am Tag. Mittags und abends.

Guter Ton und ein ordentliches Bild sind für mich ein Muss in Videogesprächen. Ich habe mehrere Besprechungen am Tag, mal mit Kolleg:innen und mal mit externen Personen. Nicht nur, dass es mein Wohlbefinden steigert, wenn ich weiß, dass ich ordentlich zu sehen und hören bin, ich finde zudem es ist eine Form des Respekts, dass wir mit diesen blechernden, verschneiten Video-Auftritten aufhören. Zu unserer neuen Arbeitswelt gehört nun schon länger, dass wir digital miteinander zusammenkommen. Das wird auch bleiben. Zum Glück. Aus diesen Gründen lohnt es sich aus meiner Sicht, sich da bestmöglich professionell aufzustellen. Bei mir geht der Ton, wie oben beschrieben, also über das Mikrofon von Røde. Ich habe In-Ear-Kopfhörer meistens dabei im Ohr, damit z.B. das Kind nebenbei ruhiger schlafen kann. Die In-Ear-Variante gefällt mir persönlich besser, weil das ein wenig dezenter rüberkommt. Das Bild von meinem iPhone übertragen. Die Verbindung läuft dabei über die App Camo. Hierüber kommt dann die Verbindung zwischen Smartphone und Laptop zu Stande. Eine super Sache. Die Bildqualität wird um Lichtjahre besser. Ein Gelenkarm hält das Smartphone und führt es in die entsprechende Höhe.

 

Wie wir uns sonst noch durch den Tag hangeln?

  • Mail Signatur. In meiner Mailsignatur finden sich zwei Hinweise:
  1. Ich bearbeite meine Mails nur einmal täglich = wundere dich nicht, wenn du auf meine Antworten etwas warten musst.
  2. Meine Zeiten sind nicht deine Zeiten. Aktuell kann es passieren, dass ich zu unüblichen Zeiten auf Mails antworte. Keine:r soll sich genötigt fühlen, es mir gleich zu tun.
  • Präsenz / Abstinenz. Ich finde es wichtig, dass alle Teilnehmenden am Familienleben bestmöglich transparent mit sich umgehen können. Dafür braucht es, aus meiner Sicht, gerade im Lockdown viel Kommunikation. Ich folge da ein Stück weit der Label-Theorie. Kurzfassung: Wir alle haben verschiedene Labels, die uns ausmachen. Z.B.: Vater und Homoffice-Arbeiter:in. Ich versuche stets im Hier uns Jetzt zu bleiben, d.h. wenn ich arbeite, dann tue ich das mit bestmöglicher Energie. Wenn ich gerade in der Rolle des Vaters bin, dann will ich da auch völlig präsent sein. Wird’s stressiger, dann hilft mir das total, die Rolle / das Label laut auszusprechen. Klingt erstmal komisch, hilft mir aber echt. Beispiel: „So, jetzt habe ich diese Mail bearbeitet. Ich versetze den Bildschirm jetzt in den Schlafmodus und kümmere mich um die Kinder. Dann bin ich nicht mehr im Job, sondern zu Hause Papa.“
  • Verzeihlichkeit und Kommunikation. Wir versuchen hier in der Familie unsere Ansprüche realistisch zu halten. Unser tägliches Mantra: Lass uns die besten schlechten Eltern sein, die wir sein können. Jeder Job ist wichtig. Unsere drei Kinder können am wenigstens für diese Situation. Jede:r gibt das Beste und möchte kooperativ sein. Wenn das nicht immer gelingt, ist das nicht schlimm, sondern verständlich. Dieses Mindset hilft uns total.
  • Situationen sichtbar machen. Ich verstecke meine Kinder nicht. Ich habe täglich 2-5 Videokonferenzen. Mal intern, mal in einem größeren externen Rahmen. Da kann es eben passieren, dass der Kleinste zu mir auf den Arm möchte oder der Älteste Fragen zu seinen Home Schooling Aufgaben hat. Das ist so. Das ist die Realität. Ich halte nichts davon, Kinder da total abzuschirmen und sich „hinter der Kamera“ komplett zu verbiegen, nur um eine ruhige Konferenz zu haben. Erst recht nicht als Mann und Vater. Care-Arbeit gehört in dieser absolut besonderen Phase auf alle Schultern und wird nicht an die Partnerin abgeschoben. Kinder möchten auf den Arm der Eltern, während eine „wichtige“ Videokonferenz läuft. So ist das Leben. DEAL WITH IT! Ich möchte an der Stelle aber dazu sagen, dass sich meine Arbeitgeberin in dieser Hinsicht wirklich vorbildlich verhält. Ich kriege da ein sehr gutes Gefühl, dass mir auch den Raum gibt, bestmöglich alles unter einen Hut zu bekommen.

Wie sind Eure Homeoffice-Lockdonw-Homecare-Homeschooling-Erfahrungen. Lasst es mich wissen und schreibt mir gerne. Über die Social Media oder hier.

https://open.spotify.com/episode/1gj2dwNQCn6jR83AEBEX5A?si=ogOMZLHuQmiuYAxqicHn_g
 Ben Wockenfuß Profilbild

Benjamin Wockenfuß

Benjamin Wockenfuß ist Social Media Manager, Suchttherapeut und Kinderbuchautor. Für die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) leitet er das Bundesmodellprojekt DigiKids (www.digikids.online). Ein Medien-Chancen-und-Grenzen-Projekt für Kinder im Kindergarten. Benjamin Wockenfuß lebt mit seiner Frau und seinen drei Jungs in Bonn kurz vor´m Wald. Als Speaker, Berater und Dozent ist er bundesweit unterwegs.

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