Digital und Du – wie Technologie den Menschen berührt

Podcast lego star wars roboter geht durch Sand.

Meine erste Begnung mit mit Fabian Hemmert war auf einer Veranstaltung, auf der ich einen Vortrag halten sollte. Ich habe diese Veranstaltung mit organisiert und kam auf die – wie ich noch heute finde – gar nicht mal so schlechte Idee, zwischen den langweiligen Fachvorträgen (Thema der Veranstaltung war Medienabhängigkeit), das Ganze mit frischen Science Slamms zu würzen. Science Slams sind kurze, humorvolle Vorträge in Stand-Up-Comedy-Manier, bei der echte (auch mal trockene) Wissenschaft unterhaltsam aufbereitet wird. Ein ganz, ganz tolles Format, wie ich finde.

Wir können die Zukunft neu erfinden, dass sollten wir auch tun

Fabian Hemmert war bei Marvel und Nintendo tätig und lehrt nun als Prof. an der Uni Wuppertal Interface und User-Experience Design.

3 Schwerpunkt-Säulen in der Lehre von Fabian Hemmert

(Quelle: www.fabianhemmert.de)

Daneben ist Fabian auch als Speaker unterwegs und hat den, wie ich finde, grandiosen Talk mit dem Titel „Protecting our creativity from the side effets of technology“ gehalten.

In der digitalen Welt unsere Menschlichkeit wahren

Was kann Technologie für den Menschen tun? Wie weit darf die Maschine den Mensch berühren? Verlieren wir uns sogar ein Stück weit in der vermeintlichen Komfortzone von digitalen Smart Devices?

Mein Spruch: Das Smartphone ist nicht gut oder schlecht – es ist ein Werkzeug ist grundlegend falsch. Selten habe ich mich so geirrt.

So wie Smartphones und die darauf abspielenden Apps designed sind, sind sie kein Werkzeug.  Sie sind so ausgerichtet, dass sie uns die Aufmerksamkeit und den ungeteilten Fokus auf Themen verstellen. Das muss aber nicht so bleiben. Die Kultur der Digitalität bedeutet auch, dass wir uns unserer Rolle bewusst werden. Wir müssen keine Konsument:innen in der Social Media Welt sein. Wir können zu Gestalter:innen werden. Wir können uns auf menschliche Talente besinnen, die uns keine Maschine abnehmen sollte.

Über ein so spannendes Thema wollte ich unbedingt mit Fabian Hemmert sprechen. Die Folge mit ihm findet ihr hier beim Blogbeitrag.

The key to living well in a high tech world is spent much less time using technology. (Carl Newport)

Ich finde, das lohnt es sich einmal hinzuhören. Car Newport, der Autor der lesenswerten Bücher Deep Work und Digital Minimalism, beschäftigt sich vor allem mit der Suche nach dem Fokus in unserem Alltag. Jetzt stimme ich ihm nicht in all seinen Thesen zu, das macht ihn dann als Impulsgeber für mich aber umso wertvoller.

Am Ende geht es für mich darum, zum einen Technik nutzbar zu machen und zum anderen nicht zu vergessen, wie gesundend es sein kann, ohne Ablenkung seine Aufmerksamkeit einer Sache zu widmen.

Vollgepackte Schreibtisch mit Laptop und Zetteln.

Für das tolle Blog und Infoportal webcare+ habe ich einen kleinen Gastbeitrag über meinen digitalen Minimalismus geschrieben. Den Artikel findet ihr hier. Da habe ich ein paar Punkte ausgearbeitet, wie ich mir das Leben mit dem Smartphone möglichst einfach mache.

Wie ich heute mein Smartphone nutze?

OK, OK. Ich gebe es zu. Ich war lange nicht so straight, wie ich gerne gewesen wäre. „Hach, diese App ist schon schick. Und wie toll die alles synchronisiert.“ … oder … „ist schon praktisch mit den devices. Ich habe immer alles da.“

Diese und viele weitere kreativen Selbsttäuschungsversuche, habe ich mir lange eingeredet. Ganz ehrlich, ich genieße es auf meinem iPad zu arbeiten und Medien zu konsumieren. Das iPad ist vielleicht die technische Erfindung, die meinen (Arbeits)Alltag am meisten verändert hat. Bei aller echter Begeisterung heißt das aber nicht, dass ich möglichst viele Inhalte meines (Arbetis)Alltags auf dieses Gerät auslagern sollte. Im Gegenteil, es tut mir (ganz subjektiv und persönlich) gar nicht gut, wenn ich das tue. Im Austausch mit anderen Menschen und mit dem wunderbaren Impulsen von Tristan Harris, habe ich mir ein paar Regeln zurecht gelegt, mit denen ich digital entspannter durch  den Tag komme:

  1. Clean Desk – Mein Schreibtisch ist leer! Einzig das Tablet oder das Laptop, ein Getränk UND mein Notizbuch liegen darauf.
  2. Mein (privates) Smartphone ist nicht in meiner Nähe. Warum auch? Ich brauche es nicht, weil ich mich auf andere Dinge fokussieren möchte.
  3. Auf meinem Smartphone befindet sich keine Mail App. Mails sind für mich Ballast und kein adäquates Mittel zur Kommunikation. Zudem sind sie maximal unwertschätzend, weil sie das Gegenüber regelrecht belagern und ungefragt stören können. Mails bearbeite ich 2x für je 30-45 Min am Tag. Mehr nicht.
  4. Auf meinem Smartphone befinden sich keine Social Media Apps – außer Twitter. Twitter ist für mich, wie keine andere App, ein Austausch-, Informations-, und Nachrichtenmedium. Twitter triggert mich nicht, so dass ich nicht darauf verzichten möchte. Alles andere ist weg.
  5. Die erste Seite meines Smartphone Homescreens ist schwarz und leer. Ich möchte nicht direkt von bunten Kacheln abgelenkt werden. Vielmehr steuere ich Apps grundsätzlich über die Suchfunktion an. Warum? Weil ich mich so jedesmal frage, WOZU hast du das Smartphone gerade in der Hand? WAS möchtest du mit Hilfe dieses Devices jetzt tun?
  6. Bei uns im Haus gibt es keine Aufladekabel für die Smartphones. D.h. die gibt es schon, die sind nur weggepackt. Einfach mal das Smartphone aufladen ist also nicht. Einzig eine kabellose Dockingstation steht im Wohnbereich. Das Ganze sieht eigentlich auch noch ganz dekorativ aus. Folgender Effekt tritt nun ein: Unsere Smartphones wandert nicht mit uns durch die Räume, sondern kommen, sobald wir im Wohnbereich sind, an die Dockingstation. So stören sie uns nicht, wenn wir uns unterhalten, kochen, mit den Kindern spielen oder sonstwas machen wollen.
  7. Das Smartphone ist für die Kommunikation da. Fertig! Für mich ist das Smartphone ausschließlich ein Kommunikationsgerät. Anrufe, Chats und Mitteilungen. Daneben möchte ich Nachrichten lesen und einen Kalender nutzen. Thats it! Mehr soll dieses Gerät für mich nicht tun. Bewusst habe ich mir ein extra kleines Gerät ausgewählt, so dass schon die Bildschirmmaße verhindern, dass ich es länger als notwendig in der Hand habe.
  8. Ich trage eine analoge Uhr. Es gab durchaus schon ein paar Versuche mit der Apple Watch. Die hat mich eher abgelenkt und wirklich gebraucht, habe ich sie nicht. Eine analoge Uhr hilft sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Die Uhrzeit.

Arm hält Notizbuch hoch.

Eins noch: Analog supports creativity

Ich will hier gar nicht anfangen zu predigen. Sicherlich gibt es mehr als eine brauchbare Methode, um sich mit Terminen, Aufgaben und Plänen zu strukturieren. Für mich funktioniert die Bullet Journal Methode dafür einfach hervorragend. Dabei wird die To Do Liste, mit Gedankennotizen, einem Ideenplaner und einem Tagebuch gemixt. Alles was dafür gebraucht wird, ist – ein Notizbuch und ein Stift. Mehr nicht. Gerade diese Reduktion hilft mir enorm kreativ und fokussiert zu bleiben. Diese analoge Insel möchte ich nicht mehr hergeben.

Ich habt Fragen, Wünsche oder Kritik? Dann nichts wie raus damit und zwar genau … hier.

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Benjamin Wockenfuß

Benjamin Wockenfuß ist Social Media Manager, Suchttherapeut und Kinderbuchautor. Für die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) leitet er das Bundesmodellprojekt DigiKids (www.digikids.online). Ein Medien-Chancen-und-Grenzen-Projekt für Kinder im Kindergarten. Benjamin Wockenfuß lebt mit seiner Frau und seinen drei Jungs in Bonn kurz vor´m Wald. Als Speaker, Berater und Dozent ist er bundesweit unterwegs.

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